Frühlingscafé mit Little Mila
Es ist einer der ersten richtig schönen Frühlingsfreitage in Wien. Die Sonne scheint, überall sitzen Leute draußen, und die Stadt wirkt ausnahmsweise einmal ein bisschen entspannt. In der Ferne sehe ich Fiona, unsere Fotografin, wie sie gemütlich ihre Zigarette raucht und mit Kaffee in der Hand auf mich zukommt. Heute treffen wir Little Mila zum Interview.
Wir verabreden uns im Exchange, ganz in der Nähe ihrer Uni. Die Location passt eigentlich perfekt zu ihr: ein großer, offener Raum mit hohen Wänden, verspiegelten Tischen und einer richtig angenehmen, kreativen Atmosphäre. Während draußen langsam das Wochenende startet, sitzen wir drinnen, trinken Kaffee und reden über Musik, Kunst und Wiener Clubs.
Little Mila wirkt sofort unglaublich entspannt und sympathisch. Man hat nicht das Gefühl, mit jemandem zu sprechen, der versucht, besonders cool oder geheimnisvoll zu wirken. Eher wie mit einer Person, die einfach wirklich Spaß daran hat, kreativ zu sein.
Musik spielte bei ihr schon immer eine große Rolle. Ihre Eltern sind beide klassische Musiker*innen, sie selbst hat früh Klavier und Horn gespielt. Schon als Kind schrieb sie kleine Songs, oft nur 20 Sekunden lang. Besonders lustig: Sie erzählte damals immer, dass sie die Kaiserin von „Snudien“ sei, einem Land in einem anderen Universum. Fiona und ich müssen beide lachen, weil es eigentlich ziemlich gut zu der kreativen Welt passt, die sich auch heute noch durch ihre Musik zieht.
Mit 15 veröffentlichte sie ihr erstes Liebeslied „Loving would be easy“ auf YouTube, damals noch auf Englisch und unter dem Namen Mila. Einige Jahre später hörte sie viel Deutschrap, hatte aber oft das Gefühl, dass ihr dabei etwas fehlt. Irgendwann dachte sie sich einfach: „Das kann ich auch.“
Damals pendelte sie für die Schule nach Wien und schrieb viele ihrer ersten Texte nachts im Zug am Heimweg. Gemeinsam mit einem Freund und Produzenten entstanden daraus schließlich ihre ersten Songs und die EP „Schnell wie ein Blitz“. Heute beschreibt sie diese Phase selbst als eher „trashy Deutschrap“. Manche Texte würde sie vermutlich heute nicht mehr genauso schreiben, gleichzeitig sieht sie diese Zeit aber auch als mutig und irgendwie bewusst überspitzt.
Das Gespräch kommt schnell auf ihren ersten großen Erfolg. Gemeinsam mit Ben Clean veröffentlichte sie „Soave-Kokosananassaft“, produziert von Maxi Nagl. Daraus entwickelte sich auch die weitere Zusammenarbeit mit Maxi und schließlich der Song „Verliebt in deine Mom“. Ein paar Wochen später bekam sie plötzlich die Nachricht, dass der Song im Radio läuft, und kurz darauf landete er direkt auf Platz 1 der FM4-Charts.
Natürlich fragen Fiona und ich sofort, wie surreal sich das angefühlt hat. Mila erzählt ziemlich locker davon, aber man merkt trotzdem, dass dieser Moment etwas Besonderes war.
Überhaupt wirkt es so, als würde bei ihr vieles sehr spontan und natürlich entstehen. Fiona bringt irgendwann ihre Instagram-Posts ins Spiel, weil Mila dort regelmäßig Kochkreationen teilt und manchmal fast wie eine Food-Influencerin wirkt. Daraus entsteht die Frage, wie eigentlich ein typischer Little-Mila-Song entsteht.
Mila erzählt, dass sich vieles „on the go“ entwickelt, sie aber bei ihrem neuen Album gemerkt hat, dass sie musikalisch gerade in eine etwas andere Richtung möchte. Weniger elektronisch, dafür organischer, mehr funky Akkorde und wärmere Sounds. Wichtig ist ihr vor allem, dass die Musik Spaß macht. Ihr selbst, aber auch den Leuten, die sie hören oder live erleben.
Das neue Album entstand größtenteils letzten Sommer gemeinsam mit Produzent Maxi im Garten ihrer Eltern. Vier Tage lang machten sie dort fast nichts anderes als Musik. Und am Ende waren zwölf Songs entstanden.
Auch die Zusammenarbeit mit Resi Reiner war Thema. Mila erzählt, dass ein gemeinsamer Song wahrscheinlich nie fertig geworden wäre, hätte sie alleine daran gearbeitet. Gerade durch die Zusammenarbeit entstand daraus aber etwas richtig Gutes. Über Künstler*innen wie Resi Reiner, Mola oder Mavie Phoenix spricht sie generell mit viel Begeisterung. Immer wieder fällt dabei auch das Thema Frauen und FLINTA-Personen in der Musikszene. Für Mila ist klar: Davon braucht es definitiv mehr auf Bühnen.
Neben Musik spielt auch Kunst eine große Rolle in ihrem Leben. Sie studiert Druckgrafik und gestaltete bis jetzt einige ihrer Covers selbst. Für ihre Konzerte malt sie oft Bilder, die dort auch verkauft werden. Außerdem hat sie ihr Label sogar überzeugt, eine Siebdruckmaschine zu besorgen, was bedeutet, dass bald neuer Merch kommt, der direkt von ihr selbst gestaltet und produziert wird.
Spannend ist dabei vor allem, dass sie sich nicht zwischen Musik und Kunst entscheiden möchte. Sie erzählt, dass oft erwartet wird, sich auf eine Sache zu fokussieren. Für sie gehören beide Bereiche aber einfach zusammen.
Natürlich sprechen wir irgendwann auch über das Loco. Die Antwort auf die Frage, ob das der beste Club Wiens ist, kommt extrem schnell:
„Nein.“
Der Song „Loco“ sei komplett ironisch gemeint gewesen, erzählt Mila lachend. Viele hätten das allerdings ernst genommen. Klar, manchmal sei es dort lustig, aber unbedingt hingehen müsse man jetzt nicht immer. Trotzdem sind wir uns irgendwie einig, dass Wien kollektiv traurig wäre, wenn das Loco plötzlich verschwinden würde.
Zum Ende wird das Gespräch nochmal etwas persönlicher. Songs wie „Krankenschwester“ oder „Physio“ basieren auf echten Situationen aus ihrem Leben. Gerade „Krankenschwester“ bedeutet ihr viel, weil der Song während eines Krankenhausaufenthalts entstanden ist und von einer Pflegerin handelt, die sich besonders toll um sie gekümmert hat.
Dadurch kommen wir auf die Frage, ob humorvolle Songs vielleicht auch eine Möglichkeit waren, sich langsam an persönlichere Themen heranzutasten. Mila stimmt sofort zu. Lustige Songs seien oft weniger verletzlich. Sobald Musik persönlicher oder trauriger wird, habe man schnell das Gefühl, dass Menschen mehr über einen selbst erfahren. Genau deshalb dürfte das kommende Album besonders spannend werden. Persönlicher, organischer und emotionaler, aber trotzdem immer noch mit diesem speziellen Little-Mila-Charme, der ihre Musik so zugänglich macht.
Am Ende trinken wir noch den letzten Schluck Kaffee aus, packen langsam unsere Sachen zusammen und gehen gemeinsam mit Mila Richtung Uni raus. Die Sonne steht mittlerweile tief zwischen den Wiener Häusern, überall sitzen Leute draußen und genau diese entspannte Stimmung zieht sich irgendwie durch den ganzen Nachmittag. Während Fiona unterwegs noch ein paar richtig coole Fotos von Mila schießt, reden wir weiter über Musik, Kunst und Wien, und genau dadurch fühlt sich das Ganze am Ende weniger wie ein klassisches Interview an, sondern eher wie ein sehr guter Nachmittag mit einer verdammt sympathischen Künstlerin.